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Panorma aus Österreich

Gesunde Beziehungen – die Herausforderung unserer Zeit
Vortrag im Rahmen der Tambacher Gesundheitstage 6. bis 10. Oktober 2004

Ein Baum - Blick auf die KroneDie Tambacher Gesundheitstage, die dieses Jahr Prämiere hatten, bildeten den Rahmen für Angehörige von Heilberufen und aus verwandten Arbeitsfeldern, Heilmethoden, Projekte und Denkmodelle rund um das Thema Gesundheit vorzustellen.

Unser Denkmodell als Gründer der BeziehungsWerkstatt lautet: Es besteht ein wichtiger Zusammenhang zwischen der Beziehungsqualität eines Menschen und seiner Gesundheit. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dem eigenen Beziehungsnetz und dem aktuellen Beziehungsgeschehen Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist wichtig, ein Gefühl dafür zu haben, um welche Beziehungsebene ich mich besonders kümmern muss für den Fall, dass ich sie vernachlässigt habe.

Das konkrete Projekt, von dem in diesem Artikel die Rede sein wird, trägt den Namen BeziehungsWerkstatt. Die BeziehungsWerkstatt ist ein Institut, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen dabei zu unterstützen, jenes Wissen, jene Fähigkeiten und jenes Bewusstsein zu erlangen, das gesunden Beziehungen zugrunde liegt und für ein gesundes Leben wichtig ist.

Aktuelles zum Thema Beziehung

Die Beziehungsforschung, konzentriert sich auf 4 Kategorien von Fragestellungen:Bäume die sich umschliessen

  1. Wie finden Menschen zueinander, welche Faktoren bestimmen ihre Partnerwahl?
  2. Warum verhalten wir uns in Beziehungen so, wie wir es tun und sind wir dabei flexibel?
  3. Worin bestehen die Geheimnisse der Kommunikation zwischen Partnern?
  4. Ist erlernbar, was eine Verbindung glücklich werden lässt?

Wenn wir die Fülle der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf einige Grundaussagen reduzieren, so zeigt sich folgendes Bild:

  • Menschen wählen einander aufgrund von Ähnlichkeiten zwischen sich selbst und dem Partner/ der Partnerin. Sie achten auf die Eigenschaften Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Und schließlich ist der Eindruck, dass der/die andere uns besonders schätzt, wichtig für die Partnerwahl.
  • Unser Verhalten in Beziehungen scheint dadurch geprägt, wie die Beziehung der Eltern erlebt wurde. Doch: unsere Kindheit ist nicht unser Schicksal. Wir sind in der Lage, durch spätere Erfahrungen unser Modell von Beziehung innerlich umzuschreiben.
  • Was die Kommunikation zwischen Paaren anbelangt, so liefert uns die Forschung sowohl Anhaltspunkte für ein Negativverhalten – „die apokalyptischen Reiter am Horizont der Beziehung“ gemäß John Gottman – als auch Anhaltspunkte für ein konstruktives Kommunikationsverhalten:
    Die Negativliste umfasst u.a. Kritik, Rechtfertigung, Verachtung, Rückzug und aggressive Machtdemonstration.
    Konstruktives Kommunikationsverhalten beinhaltet:

    Die Wurzeln eines Baumes1. „Ich statt man“ (von sich sprechen)

    2. Konkrete Situationen ansprechen

    3. Konkrete Verhaltensweisen ansprechen

    4. Zuhören und zusammenfassen können

    5. Den anderen bestärken, ermutigen

    6. Konfliktlösungsstrategien

    7. Eigene Gefühle äußern

  • Wollen wir Beziehungsqualitäten fördern, muss unsere Aufmerksamkeit gerade dem Gesprächsverhalten von Paaren gelten, denn: Woran Beziehungen weltweit kranken ist, dass Paare zu selten gelernt haben, gut miteinander zur reden. DAS ist die Hauptursache für schwere Beziehungsprobleme - und nicht unvereinbare Charakterzüge oder schwierige Lebensbedingungen wie Arbeitslosigkeit oder finanzielle Probleme.
  • Können wir also erlernen, was eine Beziehung glücklich werden lässt?
    Die Forschung drückt sich vorsichtig aus: Eindeutiger ist vorhersehbar, was negativ enden wird: Eine destruktive Haltung in der Beziehung, die da lautet: Unsere Beziehung kann nicht funktionieren, weil du bist wie du bist!
    Was eine Beziehung sich positiv entwickeln lässt, scheint neben guten kommunikativen Fähigkeiten eine gemeinsame Beziehungs-Vision zu sein, die eine Verbindung zu etwas unverwechselbarem macht.
    Und: Glückliche Paare haben eine Antwort für sich gefunden auf die Frage: wie gehe ich damit um, dass mein Partner/ meine Partnerin nicht perfekt ist? – Also: sie verfügen über ein konstruktives Welt- und Menschenbild.
Die Themen Kommunikation, BeziehungsVision und konstruktives Welt-
und Menschenbild
gehören darum ganz elementar zum Angebot der BeziehungsWerkstatt.


Aktuelles zum Thema Gesundheit

Ein hoher WasserfallDas Infarktrisiko steigt für Frauen, die Hektik und Streit erleben: die schwedische Forscherin Prof. Kristina Orth-Gomér vom Stockholmer Karolinkska-Institut untersuchte 292 Herzpatientinnen in einer Langzeitstudie und fand heraus, dass Frauen mit starken privaten Problemen 3mal so stark gefährdet sind, einen Herzinfarkt zu erleiden als Frauen in einem harmonischen Beziehungsumfeld. Dieses erhöhte Risiko steigt nochmals und zwar auf das 6fache, wenn neben dem Streit in der Partnerschaft die Frau auch noch mit Stress im Beruf konfrontiert ist.
Auf dem europäischen Kardiologenkongress, der im August dieses Jahres in München stattfand, wurden 2 Studien vorgestellt, die sich mit Herzgesundheit und Sozialkontakten beschäftigten:

Dänische Forscher (Aarhus Universitätsspital) berichteten von einem 4mal höheren Risiko für Singles, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Von allen untersuchten sozialen Faktoren war in der Gruppe der 30-69 Jahre alten Personen das alleine leben DER Faktor, der am stärksten mit dem plötzlichen Herztod korrelierte. Alleine lebende Menschen wiesen auch mehr Risikofaktoren auf wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Übergewicht.
Schweizer Forscher untersuchten Paare, bei denen ein Partner von einer Herzkrankheit betroffen war. Ihr Ergebnis war, dass zwar jedes Paar individuelle Strategien zur Problemlösung verwendete, dass aber bei allen Paaren ein Zusammenhang festgestellt werden konnte zwischen einer liebevollen, unterstützenden Beziehung einerseits und einem positiven Umgang mit der Krankheit und manchmal sogar einer positiven Auswirkung auf den Krankheitsverlauf andererseits.

Ein liebevoller Partner/ eine liebevolle Partnerin spielt eine wichtige Rolle dabei, wie Therapien umgesetzt werden, ob der Lebensstil verändert werden kann und als „wachsames Auge“ für eventuelle Verschlechterungen des Zustandes. Dazu kommt, und das ist ein wichtiger Genesungsfaktor: leben die Patienten in einer guten Partnerschaft, vermittelt ihnen diese Verbindung Hoffnung und Unterstützung – und das schützt vor krankmachenden Ängsten.

Krankheiten entstehen, wenn eine Disposition vorhanden ist und/ oder wenn ein unmittelbarer Anlass gegeben ist. Jene zwei Faktoren, die maßgeblich daran beteiligt sind, ob aus einer Disposition eine Krankheit wird sind die Arbeitsbedingungen eines Menschen und die Qualität seines Beziehungsumfeldes. Unser Körper ist ein Reservoir an Beziehungs- erfahrungen und wenn etwas Wichtiges, ein Wunsch oder ein Bedürfnis, Ablehnung erfährt, so wird dieses Bedürfnis im wahrsten Sinne des Wortes „zurückgenommen“ – nämlich in den Körper hineingenommen. In der Psychosomatik stellen wir daher die Frage: Welche Sehnsucht ist der heutige Schmerz ursprünglich gewesen?

 

4 Thesen über den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Beziehung

  • Menschen sind soziale Wesen, keine Einzelgänger. Sie leben in sozialen Bezügen und benötigen gute Beziehungsqualitäten in sämtlichen Beziehungsformen: in der Beziehung zu sich selbst ebenso wie in der zum Partner/ zur Partnerin, den Kindern, den Eltern, Nachbarn und Freunden.
  • Gute Beziehungsqualität auf allen Ebenen ist ein wichtiger Faktor für die eigene Gesundheit bzw. die Wiedererlangung der Gesundheit.
  • Die Verbindung zweier Menschen ist unverwechselbar. Diesen Umstand im Bewusstsein zu haben oder ins Bewusstsein zu heben, ist wichtig für die Qualität einer Beziehung.
  • Eine gute Verbindung bewirkt Zuversicht in den Partnern – als Gegengewicht zu krankheitsfördernden Ängsten.

Das spezifische Wissen, die notwendigen Fähigkeiten und das Bewusstsein, das gesunden Beziehungen zugrunde liegt, sind erlernbar.

Je stärker dieses Wissen und dieses Bewusstsein in einem Menschen verankert sind, umso stärker ist auch der Zusammenhang zu körperlicher und geistiger Gesundheit. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Teil der männlichen Bevölkerung bedroht unsere Gesellschaftsordnung durch ihren Einsatz von körperlicher Gewalt. Gewalt ist ein erlerntes Verhalten, Gewalttäter waren oft selbst Opfer und/oder Beobachter von Gewalt. Während der ersten Jahre kindlicher Entwicklung werden entscheidende Weichen gestellt. Je früher Vorbeugungsmaßnahmen aggressivem Verhalten entgegensteuern, desto erfolgreicher lässt sich spätere Delinquenz verhindern. Der Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen und Gesundheit wird von vielen Studien eindeutig belegt: Menschen, die Gewalt erleben, sind deutlich krankheitsanfälliger als Menschen in gesunden, gewaltfreien Beziehungen.

Ein konstruktives Welt- und Menschenbild ...

... ist für die Beziehungsqualität eines Menschen von großer Bedeutung. Für ein solches verinnerlichtes Bild gibt es viele mögliche Quellen und Zugänge. Sie sind uns bekannt als Weisheitslehren und Religionen. Alle diese Quellen besitzen einen gemeinsamen Kern. Dieser Kern konzentriert sich auf das Besondere am/ im Menschen: seine spirituelle Dimension:

Der Mensch ist ein Teil der Schöpfung – wie die Tierwelt, die Pflanzen oder die Mineralien auch. Ein gleichwertiger Teil der Schöpfung, der aber ein besonderes Potential besitzt und darum eine besondere Verantwortung trägt: sich zu entfalten und seine Fähigkeiten in den Dienst seiner Umwelt zu stellen:

Auf die innerste Wirklichkeit jedes erschaffenen Dinges hat Er das Licht eines Seiner Namen ergossen; jedes hat Er zum Empfänger der Herrlichkeit einer Seiner Eigenschaften gemacht. Die Wirklichkeit des Menschen jedoch hat Er zum Brennpunkt für das Strahlen aller Seiner Namen und Eigenschaften und zum Spiegel Seines eigenen Selbstes erkoren.

Was, wenn ein Mensch nun aber KEINE „göttlichen“ Eigenschaften zeigt? Wenn er selbst zerstörerisch handelt oder andere unterdrückt?

Die Wurzel des Fehlverhaltens liegt in der Unwissenheit, deshalb müssen wir uns an die Mittel Erkenntnis und Wissen halten. Guter Charakter muss gelehrt werden.

Negatives, ungesundes oder „falsches“ Verhalten ist also keine absolute Größe an sich. Und auch nicht unveränderbar. Wie aber kann Unwissenheit in Wissen transformiert werden? Spirituell betrachtet lautet eine mögliche Antwort:

Im Menschen sind zwei Naturen: seine geistige oder höhere und seine materielle oder niedere Natur. Alles gute Gebaren, jeder edle Zug gehört der geistigen Natur des Menschen an. Der Mensch hat die Kraft zum Guten wie auch zum Bösen. Der wahre Mensch ist Seele und nicht Körper.

Eine Wissensvermittlung, die auch zur Seele spricht und nicht nur zum Intellekt: hier ist eine spirituelle Führung angesprochen, die weit mehr als Wissensvermittlung im akademischen Sinne meint:

Wenn der eine wahre Gott ... sich den Menschen offenbart, verfolgt Er das Ziel, die Edelsteine ans Licht zu bringen, die in den Gesteinsadern ihres wahren inneren Selbstes verborgen liegen.

Es liegt in der Entscheidungsfreiheit des Menschen, sich für oder gegen spirituelle Führung zu entscheiden:

Wer will, der mag die Wahrheit Meiner Worte anerkennen, und wer nicht will, der möge sich abkehren ...

Der Mensch ist nicht Opfer seiner persönlichen Lebensumstände oder seiner individuellen Kindheit. Er besitzt die Fähigkeit zu Selbstbestimmung und Eigenverantwortung:

Jeder Mensch wurde auf einen Ehrenposten gestellt, den er nicht aufgeben darf. Ein bescheidener Arbeiter, der eine Ungerechtigkeit begeht, ist genauso tadelnswert wie ein berühmter Gewaltherr. So haben wir alle die Wahl zwischen Recht und Unrecht.

Spirituell gesehen ist die Selbsterkenntnis mit all ihren Folgen im Denken und Handeln der Menschen Sinn und Herausforderung unserer Lebens:

Wahren Verlust erleidet, wer seine Tage in völliger Unkenntnis über sein wahres Selbst verbringt.

Die Institutsphilosophie der BeziehungsWerkstatt

baum mit Sicht auf die Krone

  • Menschen sind Gestalter/ Gestalterinnen ihres Lebens - nicht Opfer und auch nicht ihrem Schicksal ausgeliefert.
  • Alle Fähigkeiten, die Menschen benötigen, um ein glückliches, sinnerfülltes Leben zu führen, sind latent als Potential in ihnen angelegt, vergleichbar der Rohform eines Diamanten. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Menschen dabei zu assistieren, die Schichten abzutragen, unten denen ihre Potentiale verborgen sind und auch dabei, Potentiale in manifeste Qualitäten zu verwandeln.
  • Unsere Teilnehmer sind Männer und Frauen und wir empfinden die Gleichwertigkeit zwischen den Geschlechtern als elementar für unsere Arbeitsweise. Wir gehen davon aus, dass es für unsere Gesellschaft äußerst wichtig ist, dass Frauen noch mehr als bisher sämtliche Geschicke mitgestalten.
  • Gerechtigkeit ist ein zentrales Element in der Gestaltung von Beziehungen – ohne Gerechtigkeit kann kein friedliches Zusammenleben und keine gelingende Problemlösung entstehen. Unser Verständnis von Gerechtigkeit meint nicht, einzelne Aspekte gegeneinander aufzurechnen, sondern die Achtung der Rechte der Einzelnen.
  • Das zentrale spirituelle Prinzip heute ist das der Einheit, darum scheint es uns für eine gesunde Entwicklung sinnvoll, die eigene Entwicklung, das eigene Leben damit in Einklang zu bringen: indem der/ die Einzelne die Einheit in sich selbst verwirklicht zwischen männlichen und weiblichen Anteilen, indem Einheit in der Paarbeziehung ausgebildet wird, ebenso in der Großfamilie oder im Clan. Einheit meint dabei nie Vereinheitlichung, Gleichmacherei - sondern immer eine Einheit in der Vielfalt individueller persönlicher Charakteristika.

Die Methodik der BeziehungsWerkstatt

  • Lernatmosphäre schaffen, Beurteilungen meiden
  • Fachwissen erarbeiten
  • sicherer Raum zum Erproben neuer Fähigkeiten
  • Beratung als Methode der Entscheidungsfindung und Konfliktlösung, bei der jede/r Teilnehmende Respekt und Wertschätzung erfährt
  • Systemische Betrachtung des Einzelnen und seiner Situation

Als Seminarleiter der BeziehungsWerkstatt sehen wir unsere Rolle darin, selbstverantwortlichen, begabten Individuen Wegbegleiter zu sein. Wir beurteilen nicht negativ – wir erleben uns selbst als Lernende und gestehen anderen ihren persönlichen Weg und auch ihre persönlichen Umwege in Respekt vor der Entscheidung des Einzelnen zu.

Das Angebot der BeziehungsWerkstatt: Was benötigen Beziehungen?

Hände Bilden eine gemeinsame Blume

Beziehungsebene „Ich und die Welt“:

  • Was möchte ich GEBEN?
  • Lebenssinn finden
 
 

Familie

Beziehungsebene „Familie“:

  • Kommunikation
  • systemische Ordnungsprinzipien beachten
  • Grenzverletzung vorbeugen
  • Lernatmosphäre kreieren
    Partnerschaft

Beziehungsebene „Partnerschaft“:

  • Die Persönlichkeit hinter der Rolle wahrnehmen
  • Kommunikation
  • Gemeinsame Vision, gemeinsame Werte
  • Altlasten loslassen
  • Beratung erlernen
  Team

Beziehungsebene „Berufsbeziehung / Team“:

  • Kommunikation
  • Beratung erlernen

Freundschaft


Beziehungsebene „Freundschaft“:

  • Auf andere zu gehen lernen

 
Hände die bei sich sind

 

Beziehungsebene „Ich mit mir“:

  • Selbstliebe entwickeln
  • Altlasten loslassen
  • Bilanz ziehen und neue Wege einschlagen

 

 


© 2004, BeziehungsWerkstatt.org
23-Oktober-2004
Daniela & Walter E. Fritzsche, Bülowstrasse 43, 42659 Solingen
 

 

 

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