Gesunde
Beziehungen – die Herausforderung unserer Zeit
Vortrag im Rahmen der Tambacher Gesundheitstage 6. bis 10. Oktober 2004
Die
Tambacher Gesundheitstage, die dieses Jahr Prämiere hatten,
bildeten den Rahmen für Angehörige von Heilberufen und
aus verwandten Arbeitsfeldern, Heilmethoden, Projekte und Denkmodelle
rund um das Thema Gesundheit vorzustellen.
Unser Denkmodell als Gründer der BeziehungsWerkstatt lautet:
Es besteht ein wichtiger Zusammenhang zwischen der Beziehungsqualität
eines Menschen und seiner Gesundheit. Aus diesem Grund ist es sinnvoll,
dem eigenen Beziehungsnetz und dem aktuellen Beziehungsgeschehen Aufmerksamkeit
zu schenken. Es ist wichtig, ein Gefühl dafür zu haben, um
welche Beziehungsebene ich mich besonders kümmern muss für
den Fall, dass ich sie vernachlässigt habe.
Das konkrete Projekt, von dem in diesem
Artikel die Rede sein wird, trägt den Namen BeziehungsWerkstatt. Die BeziehungsWerkstatt ist
ein Institut, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen dabei zu
unterstützen, jenes Wissen, jene Fähigkeiten und jenes Bewusstsein
zu erlangen, das gesunden Beziehungen zugrunde liegt und für ein
gesundes Leben wichtig ist.
Aktuelles zum Thema Beziehung
Die Beziehungsforschung, konzentriert sich auf 4 Kategorien von Fragestellungen:
- Wie
finden Menschen zueinander, welche Faktoren bestimmen ihre Partnerwahl?
- Warum
verhalten wir uns in Beziehungen so, wie wir es tun und sind wir
dabei flexibel?
- Worin bestehen die Geheimnisse der Kommunikation zwischen Partnern?
- Ist erlernbar, was eine Verbindung
glücklich werden lässt?
Wenn wir die Fülle
der wissenschaftlichen
Erkenntnisse auf einige
Grundaussagen reduzieren, so zeigt sich folgendes Bild:
Die Themen Kommunikation,
BeziehungsVision und konstruktives Welt-
und Menschenbild gehören darum ganz elementar zum
Angebot der BeziehungsWerkstatt.
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Aktuelles zum Thema Gesundheit
Das
Infarktrisiko steigt für Frauen, die Hektik und Streit erleben:
die schwedische Forscherin Prof. Kristina Orth-Gomér vom Stockholmer
Karolinkska-Institut untersuchte 292 Herzpatientinnen in einer Langzeitstudie
und fand heraus, dass Frauen mit starken privaten Problemen 3mal so
stark gefährdet sind, einen Herzinfarkt zu erleiden als Frauen
in einem harmonischen Beziehungsumfeld. Dieses erhöhte Risiko
steigt nochmals und zwar auf das 6fache, wenn neben dem Streit in der
Partnerschaft die Frau auch noch mit Stress im Beruf konfrontiert ist.
Auf
dem europäischen Kardiologenkongress, der im August dieses
Jahres in München stattfand, wurden 2 Studien vorgestellt, die
sich mit Herzgesundheit und Sozialkontakten beschäftigten:
Dänische Forscher (Aarhus Universitätsspital) berichteten
von einem 4mal höheren Risiko für Singles, einen plötzlichen
Herztod zu erleiden. Von allen untersuchten sozialen Faktoren war in
der Gruppe der 30-69 Jahre alten Personen das alleine leben DER Faktor,
der am stärksten mit dem plötzlichen Herztod korrelierte.
Alleine lebende Menschen wiesen auch mehr Risikofaktoren auf wie Rauchen,
Alkoholkonsum oder Übergewicht.
Schweizer Forscher untersuchten
Paare, bei denen ein Partner von einer Herzkrankheit betroffen war.
Ihr Ergebnis war, dass zwar jedes Paar
individuelle Strategien zur Problemlösung verwendete, dass aber
bei allen Paaren ein Zusammenhang festgestellt werden konnte zwischen
einer liebevollen, unterstützenden Beziehung einerseits und einem
positiven Umgang mit der Krankheit und manchmal sogar einer positiven
Auswirkung auf den Krankheitsverlauf andererseits.
Ein liebevoller Partner/ eine liebevolle
Partnerin spielt eine wichtige Rolle dabei, wie Therapien umgesetzt
werden,
ob der Lebensstil verändert
werden kann und als „wachsames Auge“ für eventuelle
Verschlechterungen des Zustandes. Dazu kommt, und das ist ein wichtiger
Genesungsfaktor: leben die Patienten in einer guten Partnerschaft,
vermittelt ihnen diese Verbindung Hoffnung und Unterstützung – und
das schützt vor krankmachenden Ängsten.
Krankheiten entstehen, wenn eine Disposition
vorhanden ist und/ oder wenn ein unmittelbarer Anlass gegeben ist.
Jene zwei Faktoren, die
maßgeblich daran beteiligt sind, ob aus einer Disposition eine
Krankheit wird sind die Arbeitsbedingungen eines Menschen und die Qualität
seines Beziehungsumfeldes. Unser Körper ist ein Reservoir an Beziehungs-
erfahrungen und wenn etwas Wichtiges, ein Wunsch oder ein Bedürfnis,
Ablehnung erfährt, so wird dieses Bedürfnis im wahrsten Sinne
des Wortes „zurückgenommen“ – nämlich in
den Körper hineingenommen. In der Psychosomatik stellen wir daher
die Frage: Welche Sehnsucht ist der heutige Schmerz ursprünglich
gewesen?
4 Thesen über
den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Beziehung
Menschen
sind soziale Wesen, keine Einzelgänger. Sie
leben in sozialen Bezügen und benötigen gute Beziehungsqualitäten
in sämtlichen Beziehungsformen: in der Beziehung zu sich selbst
ebenso wie in der zum Partner/ zur Partnerin, den Kindern, den Eltern,
Nachbarn und Freunden.
- Gute Beziehungsqualität auf allen Ebenen ist ein wichtiger Faktor
für die eigene Gesundheit bzw. die Wiedererlangung der Gesundheit.
- Die Verbindung zweier Menschen
ist unverwechselbar. Diesen Umstand im Bewusstsein zu haben oder
ins Bewusstsein zu
heben, ist wichtig
für die Qualität einer Beziehung.
- Eine gute Verbindung bewirkt Zuversicht
in den Partnern – als
Gegengewicht zu krankheitsfördernden Ängsten.
Das spezifische Wissen,
die notwendigen Fähigkeiten und das Bewusstsein,
das gesunden Beziehungen zugrunde liegt, sind erlernbar.
Je stärker dieses Wissen und dieses Bewusstsein in einem Menschen
verankert sind, umso stärker ist auch der Zusammenhang zu körperlicher
und geistiger Gesundheit. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Teil der männlichen
Bevölkerung bedroht unsere Gesellschaftsordnung durch ihren Einsatz
von körperlicher Gewalt. Gewalt ist ein erlerntes Verhalten, Gewalttäter
waren oft selbst Opfer und/oder Beobachter von Gewalt. Während
der ersten Jahre kindlicher Entwicklung werden entscheidende Weichen
gestellt. Je früher Vorbeugungsmaßnahmen aggressivem Verhalten
entgegensteuern, desto erfolgreicher lässt sich spätere Delinquenz
verhindern. Der Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen und Gesundheit
wird von vielen Studien eindeutig belegt: Menschen, die Gewalt erleben,
sind deutlich krankheitsanfälliger als Menschen in gesunden, gewaltfreien
Beziehungen.
Ein konstruktives Welt- und Menschenbild ...
... ist für die Beziehungsqualität eines Menschen von großer
Bedeutung. Für ein solches verinnerlichtes Bild gibt es viele
mögliche Quellen und Zugänge. Sie sind uns bekannt als Weisheitslehren
und Religionen. Alle diese Quellen besitzen einen gemeinsamen Kern.
Dieser Kern konzentriert sich auf das Besondere am/ im Menschen: seine
spirituelle Dimension:
Der Mensch ist ein Teil der Schöpfung – wie die Tierwelt,
die Pflanzen oder die Mineralien auch. Ein gleichwertiger Teil der
Schöpfung, der aber ein besonderes Potential besitzt und darum
eine besondere Verantwortung trägt: sich zu entfalten und seine
Fähigkeiten in den Dienst seiner Umwelt zu stellen:
Auf
die innerste Wirklichkeit jedes erschaffenen Dinges hat
Er das Licht eines Seiner Namen ergossen; jedes hat Er zum Empfänger
der Herrlichkeit einer Seiner Eigenschaften gemacht. Die Wirklichkeit
des Menschen jedoch hat Er zum Brennpunkt für das Strahlen
aller Seiner Namen und Eigenschaften und zum Spiegel Seines eigenen
Selbstes
erkoren.
Was, wenn ein
Mensch nun aber KEINE „göttlichen“ Eigenschaften
zeigt? Wenn er selbst zerstörerisch handelt oder andere unterdrückt?
Die Wurzel
des Fehlverhaltens liegt in der Unwissenheit, deshalb müssen
wir uns an die Mittel Erkenntnis und Wissen halten. Guter Charakter
muss gelehrt werden.
Negatives, ungesundes
oder „falsches“ Verhalten ist also
keine absolute Größe an sich. Und auch nicht unveränderbar.
Wie aber kann Unwissenheit in Wissen transformiert werden? Spirituell
betrachtet lautet eine mögliche Antwort:
Im Menschen
sind zwei Naturen: seine geistige oder höhere und
seine materielle oder niedere Natur. Alles gute Gebaren, jeder edle
Zug gehört der geistigen Natur des Menschen an. Der Mensch hat
die Kraft zum Guten wie auch zum Bösen.
Der wahre Mensch ist Seele und nicht Körper.
Eine Wissensvermittlung,
die auch zur Seele spricht und nicht nur zum Intellekt: hier ist
eine spirituelle Führung angesprochen, die
weit mehr als Wissensvermittlung im akademischen Sinne meint:
Wenn der eine wahre Gott ... sich den Menschen offenbart, verfolgt
Er das Ziel, die Edelsteine ans Licht zu bringen, die in den Gesteinsadern
ihres wahren inneren Selbstes verborgen liegen.
Es liegt in der
Entscheidungsfreiheit des Menschen, sich für oder
gegen spirituelle Führung zu entscheiden:
Wer will,
der mag die Wahrheit Meiner Worte anerkennen, und wer nicht
will, der
möge sich abkehren
...
Der Mensch ist
nicht Opfer seiner persönlichen Lebensumstände
oder seiner individuellen Kindheit. Er besitzt die Fähigkeit zu
Selbstbestimmung und Eigenverantwortung:
Jeder Mensch
wurde auf einen Ehrenposten gestellt, den er nicht aufgeben
darf.
Ein bescheidener Arbeiter,
der eine Ungerechtigkeit
begeht, ist
genauso tadelnswert wie ein berühmter Gewaltherr. So haben
wir alle die Wahl zwischen Recht und Unrecht.
Spirituell gesehen ist die Selbsterkenntnis mit all ihren Folgen im
Denken und Handeln der Menschen Sinn und Herausforderung unserer
Lebens:
Wahren
Verlust erleidet, wer seine Tage in völliger Unkenntnis über
sein wahres Selbst verbringt.
Die Institutsphilosophie der BeziehungsWerkstatt

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- Menschen sind Gestalter/ Gestalterinnen
ihres Lebens - nicht Opfer und auch nicht ihrem Schicksal ausgeliefert.
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Alle Fähigkeiten, die Menschen
benötigen, um ein glückliches,
sinnerfülltes Leben zu
führen, sind latent als Potential in ihnen angelegt,
vergleichbar der Rohform eines Diamanten. Wir sehen unsere
Aufgabe darin, Menschen dabei zu assistieren, die
Schichten abzutragen, unten denen ihre Potentiale verborgen
sind und auch dabei, Potentiale in manifeste Qualitäten
zu verwandeln.
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- Unsere Teilnehmer sind Männer
und Frauen und wir empfinden die Gleichwertigkeit zwischen
den Geschlechtern als elementar für
unsere Arbeitsweise. Wir gehen davon aus, dass es für unsere
Gesellschaft äußerst wichtig ist, dass Frauen noch mehr
als bisher sämtliche Geschicke mitgestalten.
- Gerechtigkeit ist
ein zentrales Element in der Gestaltung von Beziehungen – ohne
Gerechtigkeit kann kein friedliches Zusammenleben und keine gelingende
Problemlösung entstehen. Unser Verständnis von Gerechtigkeit
meint nicht, einzelne Aspekte gegeneinander aufzurechnen, sondern
die Achtung der Rechte der Einzelnen.
- Das zentrale spirituelle Prinzip
heute ist das der Einheit, darum scheint es uns für eine gesunde
Entwicklung sinnvoll, die eigene Entwicklung, das eigene Leben
damit in Einklang
zu bringen: indem
der/ die Einzelne die Einheit in sich selbst
verwirklicht zwischen
männlichen und weiblichen Anteilen, indem Einheit in der Paarbeziehung
ausgebildet wird, ebenso in der Großfamilie oder im Clan. Einheit
meint dabei nie Vereinheitlichung, Gleichmacherei - sondern immer
eine Einheit in der Vielfalt individueller persönlicher Charakteristika.
Die
Methodik der BeziehungsWerkstatt
- Lernatmosphäre schaffen,
Beurteilungen meiden
- Fachwissen erarbeiten
- sicherer Raum zum Erproben
neuer Fähigkeiten
- Beratung als Methode der Entscheidungsfindung
und Konfliktlösung,
bei der jede/r Teilnehmende Respekt und Wertschätzung erfährt
- Systemische Betrachtung des Einzelnen und seiner Situation
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Als Seminarleiter der BeziehungsWerkstatt
sehen wir unsere Rolle darin, selbstverantwortlichen, begabten
Individuen
Wegbegleiter zu sein. Wir beurteilen nicht negativ – wir
erleben uns selbst als Lernende und gestehen anderen ihren persönlichen
Weg und auch ihre persönlichen Umwege in Respekt vor der
Entscheidung des Einzelnen zu.
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Das
Angebot der BeziehungsWerkstatt: Was benötigen Beziehungen?
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Beziehungsebene „Ich und die Welt“:
- Was möchte ich GEBEN?
- Lebenssinn finden
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Beziehungsebene „Familie“:
- Kommunikation
- systemische Ordnungsprinzipien beachten
- Grenzverletzung vorbeugen
- Lernatmosphäre kreieren
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Beziehungsebene „Partnerschaft“:
- Die Persönlichkeit hinter
der Rolle wahrnehmen
- Kommunikation
- Gemeinsame Vision, gemeinsame Werte
- Altlasten loslassen
- Beratung erlernen
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Beziehungsebene „Berufsbeziehung / Team“:
- Kommunikation
- Beratung erlernen
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Beziehungsebene „Freundschaft“:
- Auf andere zu gehen lernen
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Beziehungsebene „Ich mit mir“:
- Selbstliebe entwickeln
- Altlasten loslassen
- Bilanz ziehen und neue Wege einschlagen
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| © 2004, BeziehungsWerkstatt.org |
23-Oktober-2004
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Daniela & Walter
E. Fritzsche, Bülowstrasse 43, 42659 Solingen
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